Inhalt
Hugo ist Joris´ Lieblingsonkel. Und ein prima Fußballtrainer. Aber Hugo ist sehr krank. Joris wünscht sich so sehr, dass er wieder gesund wird. Er muss Joris doch zeigen, wie er der beste Torwart der Klasse werden kann. Außerdem erwartet Mama ein Baby, und das soll Onkel Hugo auch noch kennen lernen!
Rezension von Michaela aus dem Krimi-Forum: Menschen sterben - manche auch wenn sie noch nicht sehr alt sind -, das ist eine traurige Tatsache und gehört zum Leben dazu. Doch wie bereitet man ein Kind auf den Tod eines geliebten Angehörigen vor? Wie bringt man ihm nahe, was passieren wird, wenn dieser gestorben ist - sowohl was die Abläufe anbetrifft, als auch in Bezug auf die vielfältigen Gefühle, die ein solches Ereignis begleiten.Der kleine Joris, der schon zur Schule geht und auch schreiben kann, aber sicherlich nicht viel älter ist als acht, muss eines Tages erfahren, dass sein Onkel, der Bruder seiner Mutter, krank ist. Unheilbar krank. Er hat Flecken im Gesicht und auf der Zunge und hustet, außerdem muss er sich pausenlos übergeben. Der Gedanke an eine HIV-Erkrankung liegt nahe - auch wenn dies nirgendwo steht. Aber genauso gut (oder besser: schlecht) könnte es auch Krebs sein - das Krankheitsbild ist stellenweise sehr ähnlich. Die Autorin beschönigt nichts: Joris und mit ihm der Leser müssen miterleben, wie es dem Onkel so schlecht geht, dass er ins Krankenhaus eingeliefert wird. Der Anblick ist nicht schön - Hugo ist dünn, gelb und hat einen Infusionsschlauch in der Nase. Das macht Joris Angst - doch er erfährt, dass es in Ordnung ist, sich zu fürchten oder zu weinen und dass auch die Erwachsenen nicht frei von diesen Gefühlen sind. Es folgen viele Gespräche, ein hochdramatisches Fußballspiel und die Ankündigung von Mamas Schwangerschaft - alles zwar eindrücklich und ausgesprochen einfühlsam geschildert, aber ohne dabei in pathetische Betroffenheitsliteratur abzugleiten. Dazu tragen sicherlich auch die Illustrationen von Saskia Halvmouw bei - sparsame, aber ausdrucksstarke Bleistiftzeichnungen. Dann geschieht, was absehbar war - Onkel Hugo stirbt. In kindgerechten Worten, sachlich und informativ, ohne dabei jedoch kalt oder unpersönlich zu werden, beschreibt die gelernte Grundschullehrerin Kranendonk, wie die Beerdigung abläuft und wie man mit dem, was man dabei erlebt und empfindet, umgeht (es kann sehr hilfreich sein, ein Bonbon zu essen, wenn man weinen muss oder sich seltsam fühlt). Doch das Buch endet nicht hier - das Baby wird geboren und Mama und Joris stimmen überein, dass letzterer seiner Schwester ganz viel von Hugo wird erzählen müssen, denn schließlich weiß er eine Menge über diesen Onkel, der stets Zeit für seinen Neffen und dessen Probleme hatte. Es ist sehr ergreifend, dieses Buch, und nicht unwahrscheinlich, dass beim Lesen die Tränen fließen, und das nicht zu knapp. Doch gleichzeitig sind schwere Krankheit und Tod so unendlich wichtige Themen - und es gibt so wenig (kindgerechte) Literatur dazu. Genau deshalb ist er so besonders hervorzuheben, dieser, im holländischen Original bereits vor zehn Jahren erschienene, Titel. Und darum möchte man "Vom Weinen kriegt man Durst" eigentlich jeder Familie ans Herz legen - für den Moment, an dem die Fragen kommen, egal, ob man nun selbst betroffen ist oder nicht. Und um den Tod (und den Umgang damit) wieder zu dem werden zu lassen, was er eigentlich sein sollte: Ein trauriger, aber natürlicher Bestandteil des menschlichen Lebens. Zu empfehlen ab 8 |