Auf Wiedersehen, Mama

Inhalt
Gestern hat die Sonne ganz warm geschienen und ich hab am Fenster meine blauen Blumen aufgehängt. Die aus der Bretagne. Und zu Mama habe ich gesagt: "So ähnlich muss das sein, wo du hingehst, Mama: wie die Blumen dort oder auch wie die Sonne." Ich gab Mama die Hand und wir haben zusammen auf die Blumen geschaut und auf die Sonne.


Rezension von Michaela aus dem Krimi-Forum:
Ob sie wohl geweint hat, die Frau Zöllner, als sie dieses Buch geschrieben hat?
Wahrscheinlich schon - denn solche ungemein anrührenden Worte, Gedanken, Begebenheiten, wie die Autorin sie ihrer Ich-Erzählerin Flora in die Tagebuch-Feder legt, das können keine reinen Kopfgeburten sein, die kommen garantiert direkt aus dem Herzen und gehen nicht selten einen tränenreichen Umweg.
Und auch der Leser wird sich mit Taschentüchern eindecken müssen, während er den Weg der Familie (bestehend aus der dreizehnjährigen Flora, ihrem siebenjährigen Bruder Philipp, Papa und Mama) mitverfolgt - vom Moment, an dem bei der Achtunddreißigjährigen Brustkrebs diagnostiziert wird bis zu ihrem Tod.

Durch Floras Tagebuch-Eintragungen vom 15. Juli bis 25. Mai des Folgejahres lassen sich die Gefühle aller Beteiligten auch ohne langatmige Erklärungen direkt nachvollziehen. Der Mix aus Verwirrung, Orientierungslosigkeit, Wut, immer wieder Hoffnung, abgelöst von Verzweiflung, und immer eine tiefe Traurigkeit ist förmlich greifbar.
Warum gerade MEINE Mama? Ganz oft stellen sich die Geschwister diese Frage - und erhalten doch keine Antwort; wie sollten sie auch …

Doch Elisabeth Zöllner lässt nicht zu, dass ihre Protagonisten in Schmerz und Trauer versinken. Indem sie die Handlung durch eine zarte Liebesgeschichte - mit all den damit verbundenen Irrungen und Wirrungen - anreichert und immer wieder deutlich macht, wie wichtig es ist, das Schwere gemeinsam zu tragen, schenkt sie ihren Figuren und damit auch den Lesern Freude, Kraft, Hoffnung. Und macht dadurch klar, dass nicht alles zu Ende ist, auch wenn man meint, an der Situation zu ersticken.

Wenn dann auf der einen Seite Floras Versagen in der Schule, der rapide ansteigende Gummibärchenkonsum ihres Bruders sind, sowie die Unfähigkeit der Kinder, mit ihren Freunden über die Tatsache zu sprechen, dass ihre Mutter sterben wird - so schildert Zöllner auf der anderen Seite auch Möglichkeiten, das Leben mit der Krankheit zu bewältigen. So geht Floras Mutter walken, als sie sich besser fühlt - und auch der Weg in eine Selbsthilfegruppe (für die Patientin aber auch ihre Angehörigen) wird als Lösungsansatz geschildert.

Was aber von ganz entscheidender Bedeutung ist, das sind die Gespräche zwischen Eltern und Kindern, das bewusste Genießen der gemeinsamen Momente, das Aufschreiben von Geschichten rund um die Mutter und das Bewältigen der Angst, indem man sich mit dem nahenden Tod und dem Sterben auseinander setzt. Das alles jedoch, ohne in die Schiene "Betroffenheitsliteratur" abzurutschen oder einen bewussten "Druck auf die Tränendrüse" auszuüben. Und das obschon im Buch (und sicherlich auch beim Lesen) zwischen drin immer wieder kräftig geheult wird. Doch das ist erlaubt, denn, wie sagt Flora: "Man ist viel trauriger, wenn man nicht weint, weil ohne Weinen die Traurigkeit wie ein schwarzes Loch ist, in das man plumpst. Und dann sinkt man ab. Aber wenn man weint, bildet sich ein kleiner See, in dem man schwimmen, sich vielleicht sogar freischwimmen kann."

Das vorliegende Buch von Elisabeth Zöllner, engagierter Autorin vieler Kinder- und Jugendbücher rund um "heiße Eisen" (wie Gewalt im Klassenzimmer oder behinderte Kinder im Dritten Reich), ist sicherlich keine "leichte Kost". Aber eine hervorragende Lektüre für Eltern und Kinder, die sich selbst in einer solchen Situation befinden und gleichermaßen eine Möglichkeit, um Kinder und Jugendliche mit den Themen tödliche Erkrankung und Abschied vertraut zu machen. Die immer wieder eingestreuten Gedichte tun ein übriges, um die Leser zum Nachdenken anzuregen.
Natürlich wünscht sich jedes Elternteil, dass den eigenen Kindern (und nicht zuletzt einem selbst und dem Partner) ein solcher Verlust erspart bleiben möge - doch wenn das Schicksal doch zuschlagen sollte, dann wäre es sicherlich wünschenswert und tröstlich, würde sich der Verlauf des Abschieds so gestalten, wie in diesem Buch geschildert.

Zu empfehlen ab 12




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Auf Wiedersehen, Mama
Elisabeth Zöllner

Thienemann Verlag
2002

128 Seiten

 


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