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Sie
selbst waren mit 15 Jahren der jüngste Student
an der Musikhochschule Münster, wo Sie
klassische Gitarre studierten. Danach arbeiteten
Sie als Musiker und Schauspieler zugleich.
Warum
beschlossen Sie 1978, sich auf die Musik - und dann
auch noch speziell auf Musik für Kinder zu
konzentrieren? Man könnte doch denken, dass
ein junger Mann Ende 20 eher davon träumt, als
Popstar Karriere zu machen und von jungen
Mädchen Unterwäsche auf die Bühne
geworfen zu bekommen, als vor begeisterten Drei-
bis Sechsjährigen aufzutreten?
*
Zur
Kindermusik bin ich über meine eigenen Kinder
gekommen. Mit der Geburt meines ersten Sohnes
Daniel wurde mir klar, dass es kaum Lieder für
die wahren Begebenheiten im Leben eines kleinen
Kindes gab. Zum Beispiel über die
Stolperfallen beim Wickeln oder über das
Nicht-Einschlafen-Wollen.
Ich
komponierte ein paar Lieder und spielte sie auf
Kinderfesten und im Kindergarten. Ganz viele Eltern
fragten, wo sie diese Musik bekommen könnten.
Tja, das war der Grundstein für meine Karriere
als Kinderliedermacher.
Die
begeisterten Mädchen, von denen ich als junger
Musiker träumte fehlen mir überhaupt
nicht. Ich habe das beste Publikum der Welt, die
mir den schönsten Beruf der Welt
schenken.
"Bücken,
strecken, rundrum dreh'n ..." - keine Mutter, kein
Vater, dem (so er oder sie, wie dies nun etlichen
Jahren in deutschen Familie üblich ist, eine
Krabbel-, Spiel- oder Mutter-Kind-Turngruppe
besucht hat) diese Zeilen von "1,2,3 im
Sauseschritt" nicht in Fleisch und Blut
übergegangen sind.
Haben
Sie mit einem solchen Erfolg gerechnet, als Sie
dieses Lied schrieben? Wann und unter welchen
Umständen entstand dieser Song?
Und
wie kamen Sie seinerzeit darauf, Lieder zu
komponieren, bei denen es nicht nur galt,
mitzusingen oder im Takt zu klatschen, sondern
tatsächlich "aktiv" zu werden?
Als
mein erster Sohn Daniel in den Kindergarten kam,
wurden dort immer noch viele der alten Lieder
gesungen, die ich noch aus meiner eigenen
Kindergartenzeit kannte. Das fand ich total
langweilig und so erfand ich neue Kinderlieder.
Eines der ersten Lieder war "1,2,3 im
Sauseschritt". Ich wollte ein Lied erfinden, bei
dem Daniel mit viel Spaß verschiedene
Bewegungsabläufe lernen und in Bewegung
umsetzen kann. So erfand ich die "Lern-, Spiel- und
Spaßlieder", die Kinder durch ein ganzes
Kinderleben begleiten.
Studien
belegen, dass sich die körperliche
Leistungsfähigkeit von Kindern seit 1976 um 20
Prozent verschlechtert hat. Kinder bewegen sich
durchschnittlich eine Stunde am Tag. Deshalb sind
Bewegungsangebote in Form von Liedern ideale
Alternativen für Kinder. Denn, wenn der
Körper arbeitet, arbeitet auch das Gehirn!
Daher ist Bewegungsförderung auch immer
allgemeine Lernförderung! Alle Sinne
müssen aktiviert werden, damit der Kopf
sämtliche Möglichkeiten ausschöpfen
kann, denn: Wer sich nicht bewegt, bleibt im
wahrsten Sinne des Wortes sitzen!
*
Nimmt
man "Jöcker in Zahlen" kann einem fast
schwindlig werden: In 26 Jahren schufen Sie mehr
als 100 Tonträger (die sich insgesamt
öfter als 9 Millionen Mal verkauften und mit
12 Mal Gold bzw. Platin ausgezeichnet wurden) mit
mehr als 600 Liedern für Kinder und
Erwachsene. Kann man sich da noch an jedes einzelne
Lied erinnern?
Und
woher nehmen Sie die Ideen, immer noch mehr neue
Songs zu produzieren - die in Bezug auf Musik und
Text ebenso frisch sind wie die "alten"
Sachen?
Wenn
ich ein Lied höre, das ich vor vielen Jahren
komponierte, erinnere ich mich sofort daran, wie an
einen alten Freund, zu dem man auch nach Jahren
sofort eine gute Beziehung bekommt, weil man sich
sehr gut kennt. Aber mit der Wette "Detlev
Jöcker kann jedes von ihm komponierte Lied
nach der Nennung des Titels singen" , könnte
ich nicht in der Sendung "Wetten das" auftreten.
Dass
ich immer wieder auf neue Ideen zu Liedern komme,
hat damit zu tun, dass ich mein "inneres Kind"
lebendig halte. So bin ich auch heute noch der
kindlichen Welt sehr nahe und nehme mit meinen
Augen, Ohren und mit meinem Herzen ihre Welt sehr
intensiv wahr. Ich entdecke immer wieder neue,
interessante Geschichten, die in Kinderliedern
umgesetzt werden.
Im
Beschäftigen mit den Texten und Melodien werde
ich immer wieder daran erinnert, dass kindliche
Attribute wie Spontaneität,
Begeisterungsfähigkeit, Neugierde und
Offenheit viel wichtiger sind als Macht und Ruhm.
Deshalb liebe ich es nach wie vor Lieder für
Kinder zu erfinden.
Sie
waren Schauspieler und Musiker, treten
regelmäßig im Fernsehen auf, gehen - wie
jetzt wieder - auf Tournee. Außerdem
veranstalten Sie - was vielleicht nicht jeder
weiß - unter dem Titel "Es geht mir gut"
Fortbildungsveranstaltungen für
Pädagogen, Erzieher sowie Eltern, bei denen
Sie den pädagogischen Ansatz der Musik
herausarbeiten und den kreativen Umgang mit dem
Kinderlied unterstützen. Und schließlich
setzen Sie sich gemeinsam mit dem Goethe Institut
für die Aktion "Mit Liedern die deutsche
Sprache lernen" ein, gehen auch da auf Seminar- und
Konzertreisen. Welche dieser Tätigkeiten macht
Ihnen am meisten Spaß und warum?
Die
Live-Veranstaltungen gehören für mich zu
den schönsten und bewegendsten Erfahrungen.
Ich stehe seit über 25 Jahren auf der
Bühne und es macht mir immer noch wahnsinnig
viel Spaß. Kinder sind ein anspruchsvolles
und ehrliches Publikum. Wenn ich dann die Freude
und Begeisterung der kleinen Sänger erlebe,
weiß ich, dass ich den schönsten Beruf
der Welt habe.
Mehr
als 650.000 Zuhörer/Zuschauer haben bereits
Ihre Live-Auftritte besucht - sicher sind da heute
welche dabei, die selbst als kleines Mädchen
oder als kleiner Junge bei einem
Jöcker-Konzert begeistert vor der Bühne
standen.
Wie
oft bekommen Sie entsprechende Resonanz von Ihrem
Publikum - in Form von Briefen, Faxen, E-mails oder
so, dass man Sie direkt darauf
anspricht?
Auf
Grund der Veranstaltungen bekommen wir viele
Rückmeldungen. Auf unserer
Homepage
gibt es ein spezielles Gästebuch, in das sich
viele Besucher unserer Konzerte eintragen und uns
Ihre Eindrücke schildern. Wir freuen uns
über jede Resonanz und beantworten jede
Anfrage.
Was
ist mit Ihren eigenen Kindern, die jetzt 10, 16, 23
und 29 Jahre alt sind? Planen sie, in die
Fußstapfen des Vaters zu treten oder haben
sie es vielleicht schon getan?
Hoffentlich
nicht. Mein Beruf ist eine Ausnahmekarriere, die
sich meine Kinder nicht als Vorbild nehmen sollten.
ich wünsche mir, dass meine Kinder selbst
bestimmende und unabhängige Erwachsene werden,
die in ihrer Kindheit die Möglichkeit bekamen
und bekommen unterstützend ihre eigene
Lebensidentität zu suchen und zu erfahren.
Mein
Ältester hat zum Beispiel mit großer
Begeisterung Verwaltungswissenschaften studiert.
Wenn er entspannen will, spielt er Klavier. Sein
Publikum sind die Fische in seinem Aquarium. Und
damit ist er total zufrieden.
Aaron,
10 Jahre alt, möchte tatsächlich
Sänger werden. Aber dann schon eher in einer
Hip-hop Band.
Herr
Jöcker, Sie sind 1951 geboren, d.h. jetzt sind
Sie 53 Jahre alt. Was werden Sie mit 60, 65, 70
Jahren tun? Immer noch Musik für Kinder machen
oder etwas ganz anderes?
Das
weiß ich noch nicht genau. Denn zur Zeit
macht mir die Arbeit sehr viel Freude, weil sich
immer wieder neue Themen ergeben. Jetzt ist z. B.
das Werte-Thema in den Mittelpunkt gerückt.
Werte sind wie Leuchttürme an denen Kinder
sich orientieren und weiterentwickeln können.
Und
Wertelieder können da einen wert(e)vollen
Beitrag leisten.
Ich
könnte mir auch zukünftig eine
intensivere Seminararbeit mit Erzieherinnen und
Pädagogen vorstellen.
Wenn
ein Kind Ihnen schreiben möchte - oder
vielleicht eine Idee für ein Thema hat, das
man unbedingt in ein Lied "verwandeln" sollte, wie
kann man sich mit Ihnen in Verbindung
setzen?
Über
Anregungen von Kindern freue ich mich immer, weil
meine Lieder in ihre Beine, Hände, Köpfe
und Herzen gehen sollen. Eltern und Kinder
können mich per
E-Mail,
oder auch mit der Post mit ihren
Ideevorschlägen ereichen.
Und
die letzte Frage: Derzeit sind Sie ja wieder auf
Tournee - gibt es noch Karten?
Seit
November sind wir mit "Detlev Jöckers bunte
Liederwelt" auf neuer bundesweiter Tournee. Ich
singe bekannte und neue Lieder zu Themen, die
Kinder bewegen. Neben fröhlichen Spiel- und
Bewegungsliedern erfahren Kinder auch etwas
über Benimmregeln und das mit viel Spaß
und ohne erhobenen Zeigefinger. Das Lernen kommt
ebenfalls nicht zu kurz: Wie sprechen Tiere oder
wie kann man im Straßenverkehr, zu Hause und
beim Spielen gefährliche Situationen
verhindern?
Das
Thema Sicherheit im Alltag liegt mir besonders am
Herzen und deshalb engagiere ich mich mit vielen
Benefizaktionen für die
"Hannelore-Kohl-Stiftung".
Natürlich
bringe ich auch wieder einige Freunde mit: Den
musikalischen Clemens, die temperamentvolle
Arabella Wirbelwind und die fröhliche
Singemaus. Einige Veranstaltungen sind bereits
ausverkauft. Aber es sind auch noch Karten
erhältlich. Alle wichtigen Infos gibt es unter
www.menschenkinder.de.
Hier kann man auch direkt Karten online
bestellen.
Wir
danken für die Antworten auf unsere
Fragen!
Das
Interview führte unsere Mitarbeiterin
Michaela
Pelz
Jan.
2005
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